13.6.07

...und es hat gar nicht weh getan!

Heute hatte ich meine erste OP, bei der ich wirklich echt so als erste Operateurin drauf stand! Und es hat Spaß gemacht!
Eine Ileostomarückverlagerung, eine absolut easy-peasy Sache; zumindest, wenn man es schon ein paar Mal gemacht hat... Ich hatte aber wirklich gute Anleitung und daher auch keinen Moment Angst oder anderweitiges Unwohlsein. Nach der OP habe ich dann noch den OP-Bericht diktiert und den Eintrag ins OP-Buch gemacht, und bei der Spalte "Dauer" hatte ich tatsächlich keine Ahnung, was ich eintragen musste. Mein Zeitgefühl war ziemlich ausgeschaltet gewesen anscheinend, denn ich habe dann 2.5 h eingetragen - in Wirklichkeit waren es aber nur 1h 20 min.

Ich glaube, ich mag meinen Beruf wirklich sehr.

26.5.07

Im OP, einer der leitenden Oberärzte reicht der OP-Schwester ein Stück Gewebe, damit es in die Pathologie geschickt werden kann und sagt: "Das bitte als 'endgültiger Ansetzungsrand' einschicken" Die OP-Schwester: "So klein?!" Er: "Das sagt meine Frau auch jedes mal..."

19.4.07

if you can't say anything nice...

...don't say anything at all!
Deswegen auch die langen Pausen zwischen den Posts... Im Ernst: Es fällt mir auffallend schwer, das Blog nicht als reine Müllhalde für Frust und Zweifel zu benutzen, und eigentlich verstehe ich nicht, warum. Denn die meiste Zeit während der Arbeit lache ich über Situationskomik oder reiße Witze mit Kollegen und Studenten. Es muss irgendein signifikanter unbefriedigender Zustand irgendwo lauern, der sich Bahn bricht, wenn ich den stream of consciousness loslasse, so dass tatsächlich nahezu nur negative Assoziationen dabei herauskommen. Natürlich arbeite ich viel, aber wenn ich dann mal Zeit habe, weiß ich nicht viel mit ihr anzufangen. Klingt in der Tat ziemlich ausgebrannt und depressiv.
Ich denke, dass mein Problem auch immer schon war, dass ich mich so schnell langweile. Nur - ob das Symptom oder Grundübel ist, weiß ich nicht.
Verdammt schade, den Flow von der Anfangszeit hätte ich gerne behalten. Vielleicht brauche ich auch nur maximalen Anwechslungsreichtum, um am Ball zu bleiben, und die Kunst ist dabei, zu lernen, den Überblick zu behalten. Oder ich müsste mir einfach mal selbst besser in den Hintern treten können...


Ich bin eine optimistische Welle der mitfühlenden Energie ommm

25.3.07

I am a rock

Um mich und alle vor Phrasen zu schützen wie "die Zeit vergeht soo schnell, wenn man erst mal arbeitet", hier einfach Fakten, Fakten, Fakten:
Heute, Sonntag, ohne Dienst zu haben, von 9h bis 21.45h gearbeitet. Mit dem Chef auf Visite gewesen. Dabei ein paar Böcke geschossen. Vielleicht keine 14Ender, aber schon so groß, dass sie die Wohnzimmerwand schmücken würden. Z. Bsp.: Ich: "Am Fenster liegt Frau Meier" Chef: "Guten Tag Frau Meier, ich operiere Sie morgen" Frau Meier: "Ich heiße aber Müller und bin schon operiert worden"... Die letzte Woche: Chef UND Stations-Oberarzt weg. Als Ansprechpartner drei verschiedene Oberärzte. Jeder hat andere Ideen zu identischen Problemen unserer Patienten. Bis auf Montag keinen Abend vor 20.30h zu Hause. Auf der Laborbesprechung: Jeder berichtet vom Stand seiner Forschung. Ich: "Äh, tja, ich hoffe, ich kann mich dann mal noch besser einlesen diese Woche..."

Schade nur, dass ich keine Zeit hatte, über unsere Lebertransplantation im Bett auf Intensivstation zu berichten! Das war echt spektakulär. Am Schluss befanden sich in dem Mini-Zimmer Perfusoren, Beatmung, NO-Beatmungseinheit, OP-Schwester mit drei Tischen, vier Operateure, eine Flussmesseinheit, ein Hämofilter und eine trübe Stehlampe, die am Fuß des Bettes aufgebaut war. Doch lassen wir den Operateur selbst zu Wort kommen: "Danke an alle, die nächste machen wir dann im Hof"

8.2.07

Wenn wir alle Englein wären...

Und jetzt ist er doch gestorben. Vorgestern hatte er lichtstarre weite Pupillen, ein Zeichen des Hirntodes. Es existierte eine Patientenverfügung, in der er für den Fall einer solchen Situation weitere lebensverlängernde Maßnahmen ablehnt, also wurde die Beatmung nach Rücksprache mit drei Personen, die in dieser Verfügung genannt waren, gestern abgestellt.
Auf den ersten Blick scheinen detaillierte Patientenverfügungen die absolut einwandfreie Lösung dieser "End-of-Life-decisions". Mein Problem damit ist nur, dass in solchen Fällen de facto Bestimmungen für einen Zustand getroffen werden, den keiner kennt, gerade auch der Verfügende nicht. Das heißt, ich nehme meine Meinung für einen Zustand voraus, von dem ich nicht weiß, wie er ist. Wie kann man sicher sein, dass man "so nicht leben will"? Ich denke, die ganze Diskussion geht am philosophischen Kern der Sache vorbei. Sie wird überall geführt, als gehe es dabei um Autonomie des Patienten, ergo des Individuums, aber von der anderen Seite betrachtet ist es letztlich ein Votum des Verfügenden, welchen Zustand er prinzipiell von der Gruppe der "Normalen" ausschließt. Die Gründe für diesen Ausschluss können vielfältig sein und absolut legitim, die psychologische Seite schließt dabei sicherlich eine reflektive Abwehr der eigenen Verwundbarkeit ein. Genau so legitim weil notwendig finde ich zu sagen, in unserer Gruppe der lebenden Menschen gibt es vielerlei Daseinszustände, und hier ziehen wir die Grenze, dieser Zustand ist jenseits unserer Gemeinschaft. Ich glaube, das wäre dann erst eine ehrliche Diskussion. Denn Autonomie kann es nur bei Kompetenz geben, aber Kompetenz kann es für solcherart veränderte Bewußtseins- und Daseinszustände niemals geben. Und so gesehen sind wir dann auch ganz schnell wieder bei der autoritären Medizin, denn ich glaube, dass ein Arzt, der viele dieser Situationen begleitend erlebt hat, kompetenter ist als der Patient selbst, zumal zum Zeitpunkt der Verfassung einer Patientenverfügung. Das ist ganz gut an Aussagen zu erkennen wie "Wenn ich mal im Rollstuhl sitzen müsste, würde ich nicht mehr leben wollen". Das trifft sicher zu für das "ich", das diesen Satz spricht, nämlich das mit zwei gesunden Beinen. In dem Moment, in dem jedoch die Situation bspw. einer Querschnittslähmung eingetreten ist, ist dieses "ich" ja schon ein anderes, nämlich eben das im Rollstuhl. Und die Fakten wirken wiederum rück auf das Erleben und vielleicht auf die Meinung.
Ich erkenne an, dass die Verfügung die immer noch beste Lösung dieses Problems darstellt, allerdings habe ich selbst keine, weil ich mich nicht inder Lage fühle, über diese Situationen zu urteilen. Mein Wunsch wäre nur, dass die Diskussion mehr in die Tiefe geht.
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Heute: Teambesprechung der Privatstation, Oberarzt und drei Privatassistenten. Leitender Oberarzt, grinsend, im Vorbeigehen: "Oh, die private dancers!!"
I'm your private dancer/ dancer for money/ do what you want me to do

3.2.07

Jaaa, er lebt noch...

Der Patient, der gestern reanimiert werden musste, hat die Nacht überlebt, liegt auf Intensivstation. Bin sehr gespannt, wie sich eine 1stündige Reanimation auf den Menschen auswirkt. Jeden Tag staune ich darüber, dass die Medizin manchmal doch funktioniert.

2.2.07

Oberarzt, zweiter Stationsarzt und ich biegen gerade in die Intensivstation ein, um einen unserer frisch operierten Patienten zu visitieren. Vor einer der Zimmertüren sehen wir schon den geöffneten Notfallkoffer liegen und Ärzte und Pfleger, die auf dem Boden knien. Eine Reanimation. Genauer gesagt: Unser Patient wurde reanimiert. Mein Patient, den ich aufgenommen hatte vor seiner Operation. Lag da auf dem Boden, blau im Gesicht. Leute, die Spritzen anreichen, beatmen, absaugen, auf seiner Brust rumdrücken. Zu diesem Zeitpunkt waren sie schon 10 min an der Arbeit. Nach kurzem Sich-Überblick-Verschaffen (Groß, schwer, kam gerade aus dem Bad und ist zusammengebrochen, vor vier Tagen operiert -> wahrscheinlich fulminante Lungenembolie) sind wir weitergezogen, um unsere anderen Patienten zu sehen. Sind danach zurück gekommen. Da waren die anderen immer noch am Pumpen, nach einer Stunde. Er wurde zwischenzeitlich volllysiert, und hatte danach wieder einen messbaren eigenen Blutdruck, allerdings wird er dafür wahrscheinlich mit Blutungen von seinen frischen OP-Wunden im Bauch bezahlen müssen. Ganz zu schweigen davon, dass sein Gehirn nicht mehr dasselbe sein wird.
Es ist beileibe nicht die erste Reanimation, die ich erlebt habe. Aber meine erste als Ärztin. Noch dazu bei einem Patienten, den ich vorher gekannt habe, und der nicht als Notfall eingeliefert wurde. Ganz schön schwer.